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Weinbaugemeinde Duttweiler von 1945 bis zur Eingemeindung 1974
Bau der Festhalle 1966-1968
| Buch: Weinbaugemeinde Duttweiler | Festhalle |

Leseprobe aus Chronik von Karl Hirsch

Das weit über die Grenzen von Duttweiler hinaus bekannte Weinfest der Freundschaft wurde erstmals im Jahre 1946 durch den damaligen Vorsitzenden des VfL und jetzigen Bürgermeister Jakob Müller aus der Taufe gehoben. Das Weinfest, damals noch als Herbstabschlußfest bezeichnet, hatte nur örtliche Bedeutung und wurde bis zum Jahre 1954 im Saale Seyband abgehalten. Erstmals im Jahre 1955 nahm das Fest einen größeren Verlauf und wurde in einem Festzelt, das in der Dorfmitte auf dem gemeindlichen Festplatz aufgestellt war, abgehalten. Der Verkehrsverein, als Veranstalter des Weinfestes bis zum Jahre 1965, konnte sich in mehreren Sitzungen des Winters 1965/66 nicht mehr durchringen, das Weinfest weiterhin durchzuführen, da der 1. Vorsitzende Bürgermeister Müller aus Gesundheitsgründen seinen Rücktritt erklärte. Wenn man bedenkt, daß bis dahin an jährlichen Leihgebühren und sonstigen Auslagen für das Festzelt 4000, bis 5000, DM angefallen sind, kam der Gedanke zum Festhallenbau nicht von ungefähr. War doch das kulturelle Leben durch die Auflassung des Saales Seyband im Jahre 1961 völlig erlahmt.>In der Generalversammlung des Männergesangvereins Liederkranz im Januar 1966 wurde das Fehlen eines Saales wieder sehr bedauert. Meinen Entschluß, daß hier etwas geschehen müsse, gab ich an die Rheinpfalz, in der u. a. am 3. Februar 1966 zu lesen war: Duttweiler braucht einen Saal. In der Gemeinderatssitzung am 15. Februar 1966 wurde über den Punkt, Beratung und Bau einer Festhalle bereits diskutiert. Die sehr fortschrittlich denkende Gemeindevertretung erklärte sich auch gleich in der überwiegenden Mehrheit grundsätzlich bereit, dem Festhallenbau näher zu treten und beauftragte die Verwaltung Pläne und Kostenvoranschläge einzuholen.
Es war kein leichter Weg bis in der Sitzung am 31. Mai und der dringenden Sitzung am 9. Juni 1966 endgültig über die Vergabe der Beton-und Maurerarbeiten Beschluß gefaßt werden konnte. 8 Wochen später, zum Weinfest am 6. August 1966 stand die Festhalle bereits im Rohbau, dank des vollen Einsatzes unseres planenden und bauleitenden Architekten Michael Gooss, Neustadt, und der Firma Imbeg, Neustadt, die innerhalb weniger Tage die Betonkonstruktion stehen hatte.
Ehemalige Kritiker des Festhallenbaues dürften inzwischen zu der Überzeugung gelangt sein, daß hier kein Luxusbau erstellt, sondern eine einfache und schlichte Festhalle erbaut wurde, auf die die Bürger der kleinen Weinbaugemeinde stolz sein können.
Es ist nun einmal für eine Gemeinde nicht abgetan, nur Pflichtaufgaben zu übernehmen und auszuführen, sondern es ist geradezu eine Verpflichtung für ein Gemeinwesen, auch und gerade für das kulturelle Leben einer Dorfgemeinschaft Sorge zu tragen. Und wie dieses kulturelle Leben in den letzten Jahren ausgesehen hat, haben wir alle sehr bedauert. Eine echte Dorfgemeinschaft kann eben erst richtig gedeihen, wenn man sich ab und zu einer gemütlichen Veranstaltung treffen kann und dazu ist natürlich ein entsprechender Raum erste Voraussetzung.
Die Finanzierung der Gesamtbaukosten dieser Festhalle von rund 200 000, DM (ohne die Vorplatzbefestigung) erfolgte in 3 Rechnungsjahren aus Mitteln des ordentlichen Haushalts. Kredite wurden für den Bau nicht in Anspruch genommen. Die Landkreisverwaltung Neustadt hat 10% der Baukosten bis zu einem Höchstbetrag von 20 000, DM in dankenswerter Weise bewilligt.
Die Gemeinde Duttweiler hat mit dem Bau dieser Festhalle wiederum bewiesen, daß es bei der Ausführung und Verwirklichung von größeren Maßnahmen nicht nur auf das Eigenkapital einer Gemeinde ankommt, sondern daß auch eine kleine und finanzschwache Gemeinde mit Mut und Entschlußkraft Großes leisten kann. Das sehr gute Verhältnis und gegenseitige Vertrauen von Gemeindevertretung und Verwaltung hat auch hier wieder zum Wohle der gesamten Bürgerschaft ihre Früchte getragen. Möge dieser gute Geist echten Bürgersinns auch in Zukunft erhalten bleiben. Es ist mir an dieser Stelle nochmals ein echtes Herzensbedürfnis allen, aber auch allen, Dank zu sagen, die durch Rat und Tat in freiwilligem Einsatz mitgeholfen haben, dieses Werk zu vollenden.